Koalitionsrechner

Was passiert nach der Landtagswahl?

Vom Wahlabend bis zur neuen Regierung — welche Schritte kommen, wer wann entscheidet und wie lange das erfahrungsgemäß dauert.

Der Wahlabend ist der Anfang, nicht das Ende.

Zwischen dem Ergebnis und einer arbeitsfähigen Regierung liegen mehrere Schritte: amtliche Feststellung des Ergebnisses, konstituierende Sitzung des neuen Landtags, Koalitionsverhandlungen und schließlich die Wahl der Regierungschefin oder des Regierungschefs. In der Praxis vergehen dabei meist sechs bis zwölf Wochen.

Die Schritte der Reihe nach

  1. WahlabendErste Hochrechnungen, im Lauf der Nacht das vorläufige Ergebnis.Die Zahlen sind schon sehr genau, aber noch nicht amtlich. Einzelne Sitze können sich noch verschieben.
  2. Wenige Tage späterDer Landeswahlausschuss stellt das amtliche Endergebnis fest.Erst damit steht die Sitzverteilung endgültig fest. Bis dahin gilt das vorläufige Ergebnis.
  3. Innerhalb von 30 TagenDer neue Landtag tritt zur konstituierenden Sitzung zusammen.Geleitet wird sie vom Alterspräsidenten, bis die Landtagspräsidentin oder der Landtagspräsident gewählt ist. Mit dieser Sitzung endet die Wahlperiode des alten Landtags.
  4. Parallel dazuDie Parteien sondieren und verhandeln über eine Koalition.Zuerst Sondierungsgespräche, dann förmliche Koalitionsverhandlungen, am Ende ein Koalitionsvertrag. Häufig müssen Parteitage oder Mitglieder zustimmen.
  5. Wenn die Mehrheit stehtDer Landtag wählt die Ministerpräsidentin oder den Ministerpräsidenten.In geheimer Abstimmung und mit der Mehrheit der Mitglieder — nicht nur der Anwesenden. Genau diese Zahl rechnet der Koalitionsrechner aus.
  6. Zum SchlussDie Regierungschefin oder der Regierungschef ernennt das Kabinett.Damit ist die Regierungsbildung abgeschlossen. Bis dahin bleibt die alte Regierung geschäftsführend im Amt.
Die 30-Tage-Frist gilt nur für das Zusammentreten des Landtags — nicht für die Regierungsbildung. In Sachsen-Anhalt muss der neue Landtag spätestens am 30. Tag nach der Wahl zusammenkommen. Eine Frist für die Wahl der Ministerpräsidentin oder des Ministerpräsidenten gibt es dort seit der Parlamentsreform 2020 nicht mehr; zuvor waren es 14 Tage nach der konstituierenden Sitzung. Die Fristen unterscheiden sich je Bundesland — maßgeblich ist immer die jeweilige Landesverfassung.

So lange hat es zuletzt gedauert

Zwei belegte Beispiele aus den vergangenen Jahren. Sie sind keine Regel, geben aber eine realistische Vorstellung von der Größenordnung:

WahlWahltagKonstituierungRegierungschef gewähltDauer
Mecklenburg-Vorpommern 202126. September 202126. Oktober 202115. November 202150 Tage
Berlin 202312. Februar 202327. April 202374 Tage

Und wenn keine Mehrheit zustande kommt?

Dann bleiben zwei Wege. Eine Minderheitsregierung regiert ohne eigene Mehrheit und muss sich für jedes Vorhaben Stimmen aus der Opposition suchen — so wird seit 2024 in Sachsen regiert. Oder es kommt zur Neuwahl; unter welchen Voraussetzungen sich ein Landtag auflösen kann, regelt jede Landesverfassung eigenständig.

Welche Bündnisse überhaupt eine Mehrheit hätten, lässt sich vorher ausrechnen — genau dafür ist der Koalitionsrechner da.

Zum Koalitionsrechner Wie viel Prozent braucht eine Koalition?

Häufige Fragen

Wie lange dauert es nach einer Landtagswahl bis zur neuen Regierung?

Das ist gesetzlich nicht festgelegt und hängt an den Koalitionsverhandlungen. Der neue Landtag muss in Sachsen-Anhalt spätestens am 30. Tag nach der Wahl zusammentreten. Für die Wahl der Ministerpräsidentin oder des Ministerpräsidenten gibt es dort seit der Parlamentsreform 2020 keine Frist mehr — vorher waren es 14 Tage nach der konstituierenden Sitzung. In der Praxis vergehen meist sechs bis zwölf Wochen zwischen Wahltag und Regierungsbildung.

Was ist die konstituierende Sitzung?

Die erste Sitzung des neu gewählten Landtags. Geleitet wird sie zunächst vom Alterspräsidenten. Der Landtag gibt sich eine Geschäftsordnung und wählt seine Präsidentin oder seinen Präsidenten sowie die Stellvertreter. Mit dieser Sitzung endet zugleich die Wahlperiode des alten Landtags.

Wer regiert zwischen Wahl und neuer Regierung?

Die bisherige Regierung bleibt geschäftsführend im Amt, bis eine neue gewählt ist. Sie kann weiter handeln, trifft aber üblicherweise keine weitreichenden Entscheidungen mehr, die die Nachfolger binden würden.

Mit welcher Mehrheit wird der Ministerpräsident gewählt?

Mit der Mehrheit der Mitglieder des Landtags — also mehr als der Hälfte aller Sitze, nicht nur der anwesenden Abgeordneten. Bei 97 Sitzen sind das 49 Stimmen. Die Abstimmung ist geheim, weshalb das Ergebnis von der rechnerischen Koalitionsmehrheit abweichen kann.

Was passiert, wenn keine Koalition zustande kommt?

Dann bleiben zwei Wege: eine Minderheitsregierung, die sich für jede Entscheidung wechselnde Mehrheiten sucht, oder eine Neuwahl. Die Voraussetzungen für eine Auflösung des Landtags regelt jede Landesverfassung eigenständig. Eine Minderheitsregierung ist der häufigere Fall — in Sachsen wird seit 2024 so regiert.

Was ist der Unterschied zwischen vorläufigem und amtlichem Endergebnis?

Am Wahlabend liegt das vorläufige Ergebnis vor: ausgezählt, aber noch nicht geprüft. Der Landeswahlausschuss stellt einige Tage später das amtliche Endergebnis fest. Meist ändert sich nichts Wesentliches, einzelne Sitze können sich aber noch verschieben — was bei knappen Mehrheiten entscheidend sein kann.

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